Fachanwalt für Arbeitsrecht Marc Valdfogl

Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Reisen

Die Ausbreitung des Coronavirus hat nach wie vor Auswirkungen für viele Reisende.
Wer in den kommenden Wochen eine Reise geplant hat, stellt sich nun die Frage, ob ein Reiserücktritt ohne weiteres möglich ist oder der Urlaub umgebucht werden kann.
Andere fragen sich, wie lange sie noch auf die ihnen zustehende Rückerstattung der Kosten für eine Reise warten müssen, die nicht durchgeführt wurde.

Können Pauschalreisen wegen des Coronavirus kostenlos storniert werden?

Die §§ 651a ff. BGB finden Anwendung auf die Pauschalreise, also eine Gesamtheit aus mindestens zwei verschiedenen Arten von Leistungen zum Zweck derselben Reise (§ 651a Abs.2 S.1 BGB).
Bis zum Beginn der Pauschalreise darf nach Maßgabe des § 651h Abs.1 BGB vom Vertrag zurückgetreten werden.
Die Corona-Pandemie stellt unter Umständen eine unvermeidbare und außergewöhnliche Situation dar, wie sie in § 651h BGB definiert wird:

„Der Reiseveranstalter kann keine Entschädigung verlangen, wenn am Bestimmungsort oder in dessen unmittelbarer Nähe unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände auftreten, die die Durchführung der Pauschalreise oder die Beförderung von Personen an den Bestimmungsort erheblich beeinträchtigen.“

Soweit das Auswärtige Amt für das gebuchte Reiseziel eine Reisewarnung ausgesprochen hat, gilt der oben genannte Tatbestand als erfüllt und die Pauschalreisen können kostenlos storniert werden. Eine pauschale Reisewarnung gibt es seit dem 01.10.2020 nicht mehr. Dennoch ist eine Reisewarnung nicht zwingende Voraussetzung, um eine kostenfreie Stornierung erreichen zu können. Erste Gerichte haben hier auf weitere Indizien wie etwa die Einstufung als Risikogebiet, die Infektionsrate und die Einschränkungen vor Ort und auf Schwierigkeiten bei der Rückreise abgestellt (vgl. AG Frankfurt am Main, Urteil vom 11.08.2020, Az. 32 C 2136/20).

Wer eine Pauschalreise für einen späteren Zeitpunkt gebucht hat, sollte nicht übereilt stornieren. Die außergewöhnlichen Ereignisse durch das Corona-Virus lassen sich bisher nicht sehr weit in die Zukunft voraussagen, weshalb die jeweilige Entwicklung zunächst einmal abzuwarten ist. Wer sich verfrüht zu einer Stornierung entscheidet, könnte unter Umständen auf den Stornokosten sitzen bleiben.

 

Veranstalter sagen wegen Corona Reisen ab – was sollten Sie wissen?

Da die Infektionszahlen in den meisten Ländern wieder steigen, ist erneut mit Absagen von Reisen durch die Reiseveranstalter zu rechnen.
Urlauber, die für diesen Zeitraum eine Reise gebucht hatten, erhalten wahlweise das Geld zurück oder die Möglichkeit zur Umbuchung auf einen späteren Zeitpunkt.

Die Absagen der Reiseveranstalter gelten teilweise bis Ende November oder Dezember. Dies variiert je nach Anbieter und Reiseziel.
Sofern ein Reiseveranstalter eine von Ihnen gebucht Reise absagt, werden Sie von Ihrem Anbieter darüber rechtzeitig informiert.
Um weitere Informationen zu den Erstattungs- und Umbuchungsmöglichkeiten zu erhalten, lohnt es sich, einen Blick in die Reisebestimmungen und Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Reiseveranstalter zu werfen.
Hierbei stehen wir Ihnen gerne zur Seite.

 

Haben auch Individualreisende Rechte im Hinblick auf das Corona-Virus?

Unklarer als bei Pauschalreisen ist die Situation für Personen, die sich ihr Hotel oder die Unterkunft vor Ort selbst gebucht haben.
Liegt das Reiseziel in einem Land mit Einreisestopp, liegt ein außergewöhnlicher Umstand vor, weshalb der Flug kostenfrei storniert werden kann.
Ob die Unterkunft storniert werden kann, hängt von der rechtlichen Situation des Urlaubsziels ab.

Nach deutschem Recht können in Ländern, die ein Einreiseverbot wegen des Coronavirus verhängt haben, Unterkünfte kostenfrei storniert werden.
So dürfte dies in vielen EU-Ländern sein, jedoch nicht in Ländern außerhalb der EU. Hier hilft nur ein Blick in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) des Anbieters. Einige Hotels sind in einer solchen außergewöhnlichen Situation kulant und bieten die Stornierung oder Umbuchung an. Sie sind jedoch nicht dazu verpflichtet.
Achtung: Es besteht kein gesetzliches Rücktrittsrecht wegen des Coronavirus!

Pauschalreisen, Flüge und Unterkünfte lassen sich nicht allein deshalb kostenfrei stornieren, weil der Reisende Angst vor einer Ansteckung hat. Selbst wenn die Rechtslage im geplanten Urlaubsland eine kostenfreie Stornierung von Unterkunft, Mietwagen etc. aufgrund außergewöhnlicher Umstände erlaubt, muss dieser Anspruch unter Umständen gerichtlich vor Ort durchgesetzt werden – was sich in der jetzigen Situation natürlich nicht ganz einfach gestaltet.

 

Welche Rechte hat man, wenn der Reiseanbieter aufgrund des Coronavirus storniert?

Einige Reiseanbieter haben wegen des Coronavirus erneut Reisen in bestimmte Gebiete abgesagt. Die Reisen werden kostenlos storniert.
Entstehen Reisenden durch die Absage der Reisebuchungen zusätzliche Kosten, beispielsweise für Ersatzbuchungen, kann ihnen unter Umständen eine Entschädigung zustehen.
Dies hängt entscheidend von der Situation vor Ort ab und wie stark das Reiseziel vom Coronavirus betroffen ist.
Infolge der Stornierung verliert der Reiseanbieter seinen Anspruch auf den vereinbarten Reisepreis (§ 651 h Abs.1 S.1, Abs. 4 S.2 BGB) bzw. er muss bereits geleistete Zahlungen zurückerstatten.

Hierfür steht dem Reiseveranstalter gemäß § 651 h Abs.5 BGB eine Frist von 14 Tagen ab Erklärung des Rücktritts zu. Erfolgt die Rückzahlung nicht innerhalb dieses Zeitraums, dann kommt der Veranstalter in Schuldnerverzug.

Gerne beraten wir Sie hinsichtlich der Möglichkeiten, die sich in Ihrem Falle anbieten.

 

Gibt es Erstattungen für Flugausfälle aufgrund des Coronavirus?

Flugreisen finden wieder statt, jedoch muss nach wie vor mit Einschränkungen und kurzfristigen Absagen gerechnet werden, wenn sich beispielsweise die Situation im Zielgebiet ändert.

Je nachdem, welche Destinationen gebucht wurden, haben betroffene Fluggäste Anspruch auf Entschädigung und eine Rückerstattung der Ticketkosten.
Aber Achtung: Werden Flüge in Sperrgebiete oder in Länder mit geschlossenen Grenzen abgesagt, gilt das Prinzip der höheren Gewalt. Eine Entschädigung ist in diesem Fall nicht zu erwarten.
Viele Fluggesellschaften haben ihre Angebote insgesamt stark eingeschränkt
In den folgenden Fällen ist eine Entschädigung möglich:

  • Streichungen aus wirtschaftlichen Gründen
  • Flugausfälle für Zielorte, für die es keine offiziellen Reisewarnungen gibt
  • Inlandsflüge werden gestrichen

Hierbei ist nicht von einem Flugausfall aufgrund höherer Gewalt auszugehen, weshalb hier das normale Reiserecht greift.

 

Können Flugreisen aufgrund des Coronavirus storniert werden?

Eine kostenlose Stornierung ist immer dann möglich, wenn für den Zielort eine offizielle Reisewarnung durch das Auswärtige Amt ausgesprochen wurde.
In diesem Fall werden viele Fluggesellschaften von sich aus Flüge canceln. In allen anderen Fällen hängt es von der Kulanz der Airline ab, ob sich der Flug stornieren lässt.

Außerdem bieten viele Fluggesellschaften eine kostenlose Umbuchung an. Einige haben hier ihre Umbuchungsoptionen ausgeweitet.

 

Hilfe bei Fragen zu Reisen, Buchungen und Stornokosten

Bei Streitigkeiten mit Ihrem Reiseanbieter sowie bei allgemeinen Fragen zu Ihren Möglichkeiten beraten wir Sie gerne.

Das Vorstehende gilt insbesondere für Reisen, die vor Ausbruch der Corona – Pandemie gebucht wurden.
Für Buchungen, die während der Pandemie erfolgten, kann unter Umständen eine andere rechtliche Bewertung die Folge sein.
Entscheidend ist immer der konkrete Einzelfall. Eine allgemeine Aussage ist in dieser außergewöhnlichen Lage nur schwer möglich.

Sollten Sie aktuell eine Reise planen, dann empfiehlt es sich – nach Möglichkeit – eine Pauschalreise zu buchen, da die rechtliche Absicherung höher ist als bei einer Individualreise.
Wir beraten Sie gerne, beurteilen die Erfolgsaussichten eines möglichen Rechtsstreites und setzen Ihre Interessen durch.

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